Wenn wir langsamer werden und anfangen mitzubekommen, was in uns passiert, taucht manchmal etwas Überraschendes auf: Ein Teil von dem, was wir für unser persönliches Thema halten, gehört gar nicht nur zu uns.
Viele Menschen funktionieren. Sie gehen zur Arbeit. Sie kümmern sich. Sie halten durch. Und trotzdem liegen sie abends im Bett und fühlen sich leer oder allein – ohne genau sagen zu können, warum. Dann kommt oft der Gedanke: Mit mir stimmt etwas nicht.
Ich glaube eher: Mit der Art, wie wir heute leben, stimmt einiges nicht. Wenn in unserer Welt vor allem Leistung zählt, das Tempo hoch ist und jeder irgendwie alleine klarkommen soll, lernt unser Körper genau das: anspannen, durchhalten, funktionieren. Gefühle, die eigentlich nach Nähe, Pause oder Unterstützung rufen, werden dann schnell zu etwas, das wir wegdrücken müssen.
Irgendwann kann genau das, was dich lange getragen hat – durchhalten, sich zusammenreißen, nichts brauchen – irgendwann anfangen weh zu tun.
Deshalb ist meine Arbeit für mich auch politisch. Weil ich ernst nehme, dass vieles von dem, was sich in dir zeigt, eine verständliche Antwort auf die Bedingungen ist, in denen du lebst.